Guiding Architects, article: Erste Campus: Ein Tor zum Kulturerbe, ein Statement für Baukultur (Fig. 1)

Erste Campus, in Vienna. © Michael Nagl

Ein Wettbewerb um einen der prominentesten Bauplätze Wiens, ein Beitrag, der entscheidend von den Vorgaben des Masterplans abweicht: Für die Gewinner Dieter Henke und Marta Schreieck hat sich das Risiko gelohnt. Gewonnen haben aber alle – denn dieses Projekt überzeugt durch die städtebauliche Lösung, mit seiner Architektur und mit seinen Qualitäten für die Nutzerinnen und Nutzer.

An einer großen Kreuzung zwischen dem neuen Hauptbahnhof und dem barocken Schloss Belvedere gelegen, hat der Erste Campus (so der Name für die Zentrale der Erste Bank) eine Schlüsselposition als Visitenkarte für eine der spannendsten innerstädtischen Transformationen, ein Fixpunkt sowohl für lokale wie für internationale Expertentouren. Das rund um den Bahnhof entstehende Viertel hat das volle Potential eines hochrangigen Verkehrsknotenpunktes und einer äußerst vielfältigen Umgebung und schafft auf rund 70 Hektar Raum für die verschiedensten Nutzungen – u.a. Hotels, Gastronomie und Geschäfte, Büros, Bildungseinrichtungen und rund 5.000 Wohnungen an einem großen Park.

Zur Verbindung des neuen Viertels mit der historischen Stadt teilten die Architekten das für den Erste Campus geforderte Volumen in zwei Baukörper, die nun ein Tor zwischen den Parks des Belvedere und des Schweizergartens und dem dichten „Quartier Belvedere“ vor dem Bahnhof bilden. Die schlanken geschwungenen Trakte mit Glasfassaden vom Fußboden bis zur Decke geben den Menschen, die hier arbeiten, ein Maximum an Licht und Ausblick, während am Abend die Bauten zu durchsichtigen Leuchtkörpern werden.

Guiding Architects, article: Erste Campus: Ein Tor zum Kulturerbe, ein Statement für Baukultur (Fig. 2)

Erste Campus’ atrium. © Christian Wind

Relevant sowohl für Architekten als auch Ingenieure

Das großzügige Foyer im Erdgeschoß ist öffentlich zugänglich und für Architekten und Ingenieure gleichermaßen interessant. Es ist als zweigeschoßiger stützenfreier Raum angelegt, der durch Oberlichtbänder und grüne Atrien Licht und Offenheit erhält. Der Dachgarten über dem Foyer ist als Freiraum den Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zugedacht, fügt den geometrischen Kurven des Gebäudes die Formenvielfalt der Pflanzen hinzu und verbindet als schlanke Brücke die beiden Bauteile. Nicht nur hier war auch die Kunst der Tragwerksplaner gefordert, Unterzüge verschwinden zu lassen, Deckenstärken auf ein Minimum zu reduzieren und Auskragungen zum Schweben zu bringen, um dem hohen gestalterischen Anspruch gerecht zu werden. Jenseits der Straße der Inbegriff der Opulenz, diesseits das Streben nach Reduktion: Im eleganten Zusammenspiel von Architektur, Konstruktion und Landschaft hat das Weltkulturerbe Belvedere hier ein würdiges Gegenüber erhalten.

Text: Felicitas Konecny

Architektur: Henke Schreieck Architekten.

Landschaftsarchitektur: Auböck + Kárász Landschaftsarchitekten.

Statik: gmeiner I haferl zivilingenieure.

Fertigstellung: Dezember 2015.

http://www.henkeschreieck.at/

www.erstecampus.at

http://www.detail-online.com/inspiration/process-erste-campus-headquarters-in-vienna-113477.HTML

Guiding Architects, article: Erste Campus: Ein Tor zum Kulturerbe, ein Statement für Baukultur (Fig. 3)

Erste Group. © Toni Rappersberger