Als wären sie was Besonderes. Abgehoben. Wissend. Ein touch von Künstler und Bohemien. Weise über der Sache stehend. Jahrzehnte lang im Schweiße gebildet, in den Hochschulen gefurcht. Kompetent und brillant. Mit jener Sprache versehen, welche so intellektuell daherkommt. Sich so gut anhört. Satzbildungen die verwirren, aber elegant daherkommen. Die man dann aber, seien wir ehrlich, doch nicht so ganz versteht. Architekten.
Dabei sind wir in Sachen Behausung doch alle hoch kompetent. Täglich durch Gebäude, durch den städtischen Raum, durch grüne Parks wandelnd. Stolz in unseren mehr oder weniger gut organisierten und rational durchdachten Städten zuhause sind. Ich bin ein Berliner! Oder auch Istanbuler, Nairobier, Singapurer. Früher oder später werden wir zudem alle zwangsläufig selbst zu Raumschöpfern: beim Spielen mit dem Puppenhaus, beim Einrichten der ersten Wohnung oder beim Bau des Einfamilienhauses. Wir alle sind Architekten.
Unweigerlich halten sich so auch viele für kompetente Architekturkritiker. Begegnen der gebauten Umwelt oft mit festen Wertungen. Dezimiert auf gemeingehaltenen Fragen wie: Ist es schön? Was hat es gekostet? Ist es solide? Nicht, dass dies falsch wäre. Aber die belesenen Architekten vertreten, dass Architektur und Stadt ein komplexes, sich oft auch widersprechendes Gefüge sei. In welchem sich die verschiedenen Facetten der menschlichen Existenz überschneiden. Sich die kulturellen, politischen, wirtschaftlichen und sozialen Interessen materialisieren. Architektur das konstruierte Abbild unserer Werte sei. Welches beständig erneuert, angepasst und neu erfunden werden müsse. Reduziere man die Komplexität, betrachte und benenne man die einzelnen Layer der verschiedenen Realitäten, dann beginne man zu verstehen. Und stelle neue Fragen.