Guiding Architects, article: Facelift für das Kongresszentrum „Sava Centar“ in Belgrad (Fig. 1)

Sava Centar West part after Reconstruction. ©Violeta Vujovic Salhofer

Die Architekturtouren in Belgrad führen nach dreijähriger Sanierungs- und Umbaupause wieder zum „Sava Centar" – einem der eindrucksvollsten multifunktionalen Kongresszentren der 1970er Jahre, Vorzeigeobjekt des Brutalismus und nominiert für den Pritzker Preis 1978.

Das auch als „Glaspalast" bekannte Gebäude – nach seinen ausgedehnten, schräg gestellten Glasflächen benannt – wurde vom Architekten Stojan Maksimović entworfen und gliedert sich in zwei funktionale Einheiten mit getrennten Eingängen. Im westlichen Gebäude befinden sich der Kongress- und Geschäftsbereich, im östlichen, vom Fluss aus zugänglichen Teil der Blaue Saal mit ausgezeichneter Akustik und rund 4.000 Plätzen.

Der westliche Bereich wurde anlässlich der KSZE-Konferenz nach einer Rekordplanungs- und -bauzeit von einem Jahr im Juni 1977 eröffnet; das gesamte Bauwerk ist seit 1979 in Betrieb. Es nimmt eine Fläche von 100.000 m² ein und liegt im zentralen Teil Neu-Belgrads, umgeben von Grünflächen, zwischen dem Fluss und der Stadtautobahn. 

Guiding Architects, article: Facelift für das Kongresszentrum „Sava Centar“ in Belgrad (Fig. 2)

Sava Centar beginning of the 1980. ©Facebook Stranica ‘Stare slike Novog Beograda’

Wer das Gebäude betritt, gewinnt den Eindruck einer eigenständigen Stadt: klar geführte Erschließungswege und farbige Leitsysteme mit grafischen Op-Art-Elementen, sichtbare Leitungen im Stil der High-Tech-Architektur, ein künstlicher Bach, Brücken und üppige Bepflanzung. Der Weg führt – mit fließendem Wechsel von Raumhöhen, Materialien, Farben und Lichteinfällen – vom Hallenbereich über Sitzecken mit Designmöbeln der 1970er Jahre hinweg zu den über 40 Kongresssälen, deren Größe durch mobile Elemente flexibel angepasst werden kann. Die gestaffelten Terrassengeschosse der Fassade bieten Büroflächen und Apartments mit zugehörigen Außenbereichen.

Mit der Übernahme des Gebäudes durch die Delta Holding begann 2020 die anspruchsvolle Sanierung der 70er-Jahre-Architektur. Sie umfasste die Instandsetzung der vorgefertigten Betonelemente einschließlich Betonimprägnierung, die Verstärkung von gerissenem Beton und der Fundamente sowie der Leichtkonstruktion des Dachs zur Aufnahme von Solarmodulen, den Austausch der technischen Anlagen und den Einbau digitaler Systeme, den Einsatz von Sanierungs- und Wärmedämmsystemen, die das Erscheinungsbild des Sichtbetons erhalten, sowie eine neue Glasfassade mit Dreifachverglasung, die im Winter Wärme speichert und im Sommer die Aufheizung der Innenräume reduziert. Mit all diesen Maßnahmen konnte der Energieverbrauch des „Sava Centar" um 50 % gesenkt werden.

Guiding Architects, article: Facelift für das Kongresszentrum „Sava Centar“ in Belgrad (Fig. 3)

Sava Centar entrance Hall after Reconstruction. ©Violeta Vujovic Salhofer

Die Wiederherstellung der Gebäudehülle war dabei noch die geringere Herausforderung. Nach einer teils unkontrollierten Transformation in den 1990er und 2000er Jahren, die zu funktionaler und gestalterischer Degradierung geführt hatte, fanden die Bauherrschaft im Inneren weit gravierendere Eingriffe vor.

Nach dreijähriger Sanierung konnte das „Sava Centar" 2023 mit BREEAM-Zertifikat für Nachhaltigkeit ausgezeichnet wieder eröffnen.